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Montag, 16. April 2012

[Club] Bei ihnen hat Elvis Schicksal gespielt

Bei ihnen hat Elvis Schicksal gespielt

Vor exakt 34 Jahren hat eine Nachricht die Welt erschüttert: Elvis, King of Rock’n’Roll, ist tot. Im Alter von 42 Jahren war der Star auf seinem Anwesen Graceland in Memphis, Tennessee, an Herzversagen gestorben. Für Heinz Godlinski stand an diesem Tag die Zeit still.


 

„Es war, als sei ein guter Freund gestorben“, sagt der 64-Jährige mit brechender Stimme und wischt sich verstohlen eine Träne aus den Augen. „Mein Mann kann heute noch nicht darüber sprechen“, erklärt Bianca Godlinski, reicht ein Taschentuch und streichelt ihm zärtlich über den Rücken. Liebevoll schauen sich die beiden in die Augen – und da ist er, der magische Moment. Sofort wird auch Außenstehenden klar, dass sich hier zwei Menschen gefunden haben. Und das ging so schnell, dass sie vermutlich nicht mal Zeit zum Suchen hatten. Was die beiden verbindet? Elvis, eine Tochter (24) und ganz viel Liebe!
1984 hatte der Kieler Elvis-Club die Fans aus Reinbek zu einem Fest eingeladen. „Er kam, sah und siegte“, erinnert sich Organisatorin Bianca Godlinski an die erste Begegnung mit ihrem heutigen Ehemann. Zugegeben: Er hatte schöne Koteletten damals. Aber eine Tolle? „Nein, das ging nicht mehr“, sagt die 47-Jährige, lacht mitreißend und streichelt ihrem Heinz liebevoll über die Geheimratsecken. Geschätzt zwei Worte hatten sie bei diesem ersten Treffen vor 26 Jahren miteinander gesprochen, noch drei Monate vergingen bis zum nächsten. Dann trafen sich die norddeutschen Elvis-Fans in Reinbek.
Man kann es kurz machen: Es knisterte zwischen den beiden wie einst die Nadel auf einer Langspielplatte. Übermütig und mit ganz viel Schmetterlingen im Bauch rief die Kielerin einer ebenfalls anwesenden Redakteurin der Bergedorfer Zeitung damals zu: „Übrigens, ich habe mich heute mit Heinz verlobt.“ Und genau das stand am nächsten Tag auch in der Zeitung. Dass sie dem Glück damit auf die Sprünge half, ahnte unsere damalige Mitarbeiterin wohl nicht. Denn ermuntert von dieser Steilvorlage rief der Reinbeker seine Herzensdame an der Küste an und sagte: „Du, in der Zeitung steht, dass wir verlobt sind. Wollen wir es dabei belassen?“ Die Kielerin musste nicht lange überlegen.
Im amerikanischen Memphis – Elvis Heimatort – gaben sie sich das Ja-Wort. Und das, obwohl Heinz Godlinski den Standesbeamten nicht verstanden hat. „Ich sage ihm noch heute, dass er mir damals versprochen hat, sein Leben lang für seine Frau staubzusaugen“, neckt die Kauffrau mit der peppigen Kurzhaarfrisur ihren Mann.
Bis die beiden jedoch ein gemeinsames Zuhause in Reinbek beziehen konnten, überbrückten sie den Weg vom Sachsenwald bis an die Ostsee mit Worten. „Heinz hat mir jeden Tag einen Brief geschrieben. Schon im Flur wusste ich, ob was im Postkasten liegt. Mein Mann arbeitete schon damals bei der Firma Wollenhaupt. Seine Briefe rochen immer nach Vanille.“
Gestern wie heute verschwindet Heinz Godlinski nach einem anstrengenden Arbeitstag in seinem Hobby-Zimmer. Gezielt greift er sich aus 4000 Elvis-Platten die, die am besten zur Stimmung passt. „Dann setze ich den Kopfhörer auf und bin in einer anderen Zeit“, sagt der 64-Jährige. Seine Platten findet er bei Entrümpelungen und Flohmärkten. Dass bei „nur“ 170 Elvis-LPs die meisten doppelt sind, stört ihn nicht. „Die Platten kommen aus der ganzen Welt, die Hüllen sehen alle anders aus.“ Was ihn an Elvis fasziniert, kann er nur schwer in Worte fassen: „Es ist seine Musik, sie macht gute Laune. Und er war einfach ein richtig guter Typ.“ Und schließlich: Gäbe es Elvis nicht, hätte er seine Frau nicht kennengelernt. Und mit der feiert er am Donnerstag Silberhochzeit. Stilecht im amerikanischen Diner in Barsbüttel. Das Paar ist sicher: „Bei uns hat Elvis Schicksal gespielt.“





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